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Vanitas

Und wieder ging es zurück in den Schatten der Nacht. Und ich dachte, jetzt endlich wäre es für immer. Jetzt endlich wäre es vorbei, überstanden. Endlich Ruhe! Die Stille! Der ewige Schatten! Aber man fand mich. Walther fand mich vor der Zeit. Wie hätte er es verhindern können? fragte er mich. Wie hätte ich verhindern können, dass man mich findet und zurückholt? Ich hatte über so viele Möglichkeiten nachgedacht. Den langsam in mich hineinkriechenden Schlaf … das langsam aus mir entschwindende Lebenswasser … das das Entscheidende zerfetzende Stück Metall … den den Sturz vorausahmenden tatsächlichen Sturz … usw. Vanitas vanitatum, et omnia vanitas! Hinterher ist alles lächerlich, peinlich, demütigend. Und jetzt sitze ich hier wieder nach dem Fall und langen Liegen und beuge mich über dieses Gerät. Mut! sagt Walther. Er kenne das. Gerade er kenne das. Es ist dafür gesorgt, dass das nicht wieder geschehen kann. Neben mir sitzt Ian und schaut, was ich schreibe. Er nimmt es mir nicht übel. Er schüttelt den Kopf. Nicht wahr, Du nimmst es mir nicht übel?!

3 Reaktionen zu “Vanitas”

  1. Ptah

    “Eitelkeiten der Eitelkeiten, und alles ist Eitelkeit!” soweit reichen meine Lateinkenntnisse noch. Aber wenn wenn ich es so lese, fühlt es sich alles andere als gut an. Das klingt danach, dass du dein Leben derzeit nicht im Griff hast. Die 14 Jahre im Koma holen dich ein, nicht wahr? Gut das Walther in der Nähe war. Und “Vanitas”, der leere Schein, steht ja auch für nichts Gutes …

    Ich hoffe, ich stehe hier nicht alleine, wenn ich sage: ich machen mir große sorgen …

    dein Ptah

  2. Moondragon

    Ich war schon lange nicht mehr hier, was zum Teil daran lag, dass ich ein paar Wochen ohne Internet auskommen musste (für manche mag das nicht so schlimm klingen, aber für mich war es als würde man mir ein großes Tor zur Außenwelt verschließen). Hier liest man aber auch schon seit einger Zeit nichts neues mehr. Ibi, geht’s dir noch - oder besser gesagt - schon wieder gut? Wenn ich das richtig verstehe, dann haben wir es allein Walther zu verdanken, dass wir weiterhin von dir lesen (und hören) dürfen.

    Ibi, ich weiß, dass es verlockend sein kann, diese Welt hinter sich zu lassen. Aber wie grausam sie dir auch erscheinen mag, denk bitte an die Menschen, die dich brauchen - Christian, und jetzt auch Ian - bevor du wieder mit solchen Gedanken spielst.

    Lass bald wieder was von dir lesen, oder noch besser hören, damit wir wissen, dass es dir gut geht!

    Übrigens: Vielen Dank, Ptah, für die Übersetzung. Ich hatte nie Latein (und gute Lateinwörterbücher im Internet gibt es meines Wissens nicht) und daher beschränkt sich mein Lateinwortschatz auf nur wenige Ausdrücke, wie diesem, mit dem ich mich nun verabschieden möchte:

    Carpe Noctem!
    Moon

  3. Gottlieb

    Mal wieder “Unser Walther”! (Sorry, Bruderherz, aber diesen Scherz konnte ich mir wirklich nicht verkneifen, obwohl ich genau weiß, wie sehr Du diese Serie gehaßt hast.) Aber natürlich bin ich stolz auf Dich. Was sollten wir auch ohne Ibi anfangen?

    Und, Ibi, mach Dir keine allzu großen Sorgen. Nicht nur Walther und Ian verstehen Dich. Zumindest ich, aber mit Sicherheit noch einige andere aus unserem Kreise, können es nachvollziehen, daß Du Dich fast dem Todessoge hingegeben hättest. Du meine Güte, hört sich das schwülstig an, aber es trifft den Kern. Nach all dem, was Du im letzten Jahr an Veränderungen durchgemacht hast: In einem Jahr hast Du 14 Jahre Technikentwicklung aufholen müssen, bist vom Teenager zur Mutter geworden, von einem komatösen Zombie zu Supergirl, von der Monade zur Fädenzieherin. Dir wurde soviel Verantwortung auf die Schultern gelegt - von wem auch immer, selbst wenn Du es selber warst -, daß es kein Wunder ist, unter dieser Last zusammenzubrechen. Lerne, und verteile die Lasten, erkenne Deine Grenzen und Fähigkeiten. Denn ich erwarte, daß in Zukunft noch einiges auf Dich zukommen wird.

    Aber laß Dich trösten! Wie sagte schon Hölderlin: “Wo aber Gefahr ist, wächst das Rettende auch.” Ob diese Weisheit ihm geholfen hat, sei mal dahingestellt. Aber Tübingen hat auch wirklich was Trostloses. Außerdem habt Ihr beiden - Du und Walther - Euren Aufenthalt in der Klappse ja schon hinter Euch. Also, was sollte Euch geschehen? Mit den spinnerten Nephilim werdet Ihr alle Male fertig. Zeigt diesen verdrehten Pappkameraden was ‘ne Harke ist!

    Laß bald wieder von Dir hören!

    Dein und Euer Gottlieb

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