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	<title>Schattenreich - Die Hörspielserie</title>
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	<pubDate>Tue, 08 Apr 2008 16:50:12 +0000</pubDate>
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		<title>Vision</title>
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		<pubDate>Tue, 02 Oct 2007 05:41:29 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Die Zeit vergeht, ohne dass ich es bemerke. Ein Tag ist wie der andere, und ich weiß nicht, welchen Sinn das Ganze hat. Aber man hat mir wieder meine Krähe gebracht. Dubistdu ist jetzt alles, was ich habe. Alle schauen mich bekümmert an, als hätte ich den Verstand verloren. Gestern war ich wieder dort, wo [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die Zeit vergeht, ohne dass ich es bemerke. Ein Tag ist wie der andere, und ich weiß nicht, welchen Sinn das Ganze hat. Aber man hat mir wieder meine Krähe gebracht. Dubistdu ist jetzt alles, was ich habe. Alle schauen mich bekümmert an, als hätte ich den Verstand verloren. Gestern war ich wieder dort, wo ich früher so oft war &#8230; im Sibyllenwald &#8230; in der Höhle. Gerade als ich badete, erschien Christian. Aber er versteht ja nichts. Oder habe ich mir das nur eingebildet?
</p>
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		<title>Zerstreuung</title>
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		<pubDate>Tue, 11 Sep 2007 03:38:41 +0000</pubDate>
		<dc:creator>vamp</dc:creator>
		
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		<description><![CDATA[Jetzt, da ich alles aufs Spiel gesetzt und es erst einmal verloren zu haben scheine, merke ich, wie schön die kleinen Dinge sein könnten, die ich Tag für Tag neu zu entdecken und für mich zu gewinnen suche. Immer zwischendurch, zwischen Anwendungen und Therapien, Mahlzeiten und verordneten Ruhepausen, jage ich der Zeit zum Nachdenken hinterher. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Jetzt, da ich alles aufs Spiel gesetzt und es erst einmal verloren zu haben scheine, merke ich, wie schön die kleinen Dinge sein könnten, die ich Tag für Tag neu zu entdecken und für mich zu gewinnen suche. Immer zwischendurch, zwischen Anwendungen und Therapien, Mahlzeiten und verordneten Ruhepausen, jage ich der Zeit zum Nachdenken hinterher. Wie paradox! Dieses Leben &#8230; hier und anderswo &#8230; ist Zerstreuung, aber nicht in dem wohlgefälligen Sinne, Dich zu unterhalten, sondern mit dem Ziel, Dich das Wesentliche aus den Augen verlieren zu lassen. Organisierte Zerstreuung des Gehirns &#8230;
</p>
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		<title>Regelverstoß</title>
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		<pubDate>Wed, 05 Sep 2007 03:33:20 +0000</pubDate>
		<dc:creator>vamp</dc:creator>
		
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		<description><![CDATA[Es war den Versuch wert. Jedes Mal! War ich mir oder der Welt das schuldig? Oder darf man sich nicht einfach so aus der Geschichte herausstehlen? Nun haben die Vorwürfe begonnen. Gehört das zum Wiedereingliederungsprogramm? Nach dem Hätscheln und Trösten &#8230; die stummen Blicke, die beiläufig gemachten Bemerkungen, die bestimmten Wörter: Pflicht, Verantwortung, Aufgabe, Ziel [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Es war den Versuch wert. Jedes Mal! War ich mir oder der Welt das schuldig? Oder darf man sich nicht einfach so aus der Geschichte herausstehlen? Nun haben die Vorwürfe begonnen. Gehört das zum Wiedereingliederungsprogramm? Nach dem Hätscheln und Trösten &#8230; die stummen Blicke, die beiläufig gemachten Bemerkungen, die bestimmten Wörter: Pflicht, Verantwortung, Aufgabe, Ziel &#8230; Habe ich gegen die Regeln verstoßen? Aber gehört das denn nicht dazu? Ist der Regelverstoß nicht auch Teil des Spiels?
</p>
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		<title>Da capo</title>
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		<pubDate>Fri, 31 Aug 2007 17:05:29 +0000</pubDate>
		<dc:creator>vamp</dc:creator>
		
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		<description><![CDATA[Christian hat mich besucht. Sagt Walther, sagt Bruno, alle sagen es. Ich kann mich nicht daran erinnern. Vielleicht wollen sie mich trösten. Ach, ich hatte Christian immer so herbeigesehnt. Aber er kam nicht. Und als er dann wohl gekommen ist, war es beinahe schon zu spät. Fast hätte er mich nicht mehr angetroffen. Dreimal war [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Christian hat mich besucht. Sagt Walther, sagt Bruno, alle sagen es. Ich kann mich nicht daran erinnern. Vielleicht wollen sie mich trösten. Ach, ich hatte Christian immer so herbeigesehnt. Aber er kam nicht. Und als er dann wohl gekommen ist, war es beinahe schon zu spät. Fast hätte er mich nicht mehr angetroffen. Dreimal war ich wohl schon halb weg und doch noch ein bisschen da, so dass man mich zurückholen konnte. Als Christian dann kam, soll ich zu ihm gesprochen haben. Ich kann mich nicht daran erinnern. Bruno bekommt glänzende Augen, wenn er mir davon erzählt. Aber ich kann mich nicht daran erinnern. Wochen und Monate des Dahindämmerns liegen hinter mir. Und Wochen und Monate harter Arbeit vor mir. Wie schon vor einem Jahr. Ich habe alles aufs Spiel gesetzt, aber jetzt kann ich es zurückerobern. Ich weiß nicht, wann ich dieses Privatsanatorium verlassen kann. Wenn ich woanders wäre, würde man mich gar nicht mehr rauslassen. Also will ich mich nicht beklagen. Vielleicht sollte ich froh sein, in dieser Geborgenheit hier erst einmal auszuharren. Denn draußen soll so viel Schreckliches geschehen sein &#8230; ausgerechnet zu Beginn dieses Monats &#8230; ausgerechnet zum Lammasfest.
</p>
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		<title>Vanitas</title>
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		<pubDate>Sat, 23 Jun 2007 18:01:18 +0000</pubDate>
		<dc:creator>vamp</dc:creator>
		
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		<description><![CDATA[Und wieder ging es zurück in den Schatten der Nacht. Und ich dachte, jetzt endlich wäre es für immer. Jetzt endlich wäre es vorbei, überstanden. Endlich Ruhe! Die Stille! Der ewige Schatten! Aber man fand mich. Walther fand mich vor der Zeit. Wie hätte er es verhindern können? fragte er mich. Wie hätte ich verhindern [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Und wieder ging es zurück in den Schatten der Nacht. Und ich dachte, jetzt endlich wäre es für immer. Jetzt endlich wäre es vorbei, überstanden. Endlich Ruhe! Die Stille! Der ewige Schatten! Aber man fand mich. Walther fand mich vor der Zeit. Wie hätte er es verhindern können? fragte er mich. Wie hätte ich verhindern können, dass man mich findet und zurückholt? Ich hatte über so viele Möglichkeiten nachgedacht. Den langsam in mich hineinkriechenden Schlaf &#8230; das langsam aus mir entschwindende Lebenswasser … das das Entscheidende zerfetzende Stück Metall &#8230; den den Sturz vorausahmenden tatsächlichen Sturz &#8230; usw. Vanitas vanitatum, et omnia vanitas! Hinterher ist alles lächerlich, peinlich, demütigend. Und jetzt sitze ich hier wieder nach dem Fall und langen Liegen und beuge mich über dieses Gerät. Mut! sagt Walther. Er kenne das. Gerade er kenne das. Es ist dafür gesorgt, dass das nicht wieder geschehen kann. Neben mir sitzt Ian und schaut, was ich schreibe. Er nimmt es mir nicht übel. Er schüttelt den Kopf. Nicht wahr, Du nimmst es mir nicht übel?!
</p>
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		<title>Denuo</title>
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		<pubDate>Wed, 23 May 2007 04:56:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>vamp</dc:creator>
		
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		<description><![CDATA[Tief ist der Brunnen der Vergangenheit &#8230; fürwahr &#8230; und tief kann man stürzen. Und selbst, wenn Dir geholfen wird, kann es lang, ach, so lang dauern, bis Du wieder da sein wirst, wo Dein Sturz begonnen hat. Manchmal glaube ich, dass irgendwie alles nur mit einem Sturz beginnen kann, damit Du Dich aufrappelst und [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Tief ist der Brunnen der Vergangenheit &#8230; fürwahr &#8230; und tief kann man stürzen. Und selbst, wenn Dir geholfen wird, kann es lang, ach, so lang dauern, bis Du wieder da sein wirst, wo Dein Sturz begonnen hat. Manchmal glaube ich, dass irgendwie alles nur mit einem Sturz beginnen kann, damit Du Dich aufrappelst und langsam die Wegstrecke zurückgehst, die im Sturz rasend an Dir vorbeigerauscht ist &#8230; vom Schatten der Nacht in die Helle des Tags &#8230;
</p>
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		<title>Walpurgisnacht</title>
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		<pubDate>Mon, 30 Apr 2007 16:55:05 +0000</pubDate>
		<dc:creator>vamp</dc:creator>
		
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		<description><![CDATA[Heute ist Walpurgisnacht! Meine Güte, jetzt schließt sich das erste Jahr nach meinem Erwachen. Ein Jahr! Und für ein ganzes Jahr habe ich Notizen gemacht, manchmal mit Eifer, Fleiß und Begeisterung, manchmal mühsam, widerwillig, verzweifelt oder schattmatt gesetzt. Es ist alles so lückenhaft, so unvollständig, so schwer verständlich für mich, da ich offenbar in Bewusstseinszuständen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Heute ist Walpurgisnacht! Meine Güte, jetzt schließt sich das erste Jahr nach meinem Erwachen. Ein Jahr! Und für ein ganzes Jahr habe ich Notizen gemacht, manchmal mit Eifer, Fleiß und Begeisterung, manchmal mühsam, widerwillig, verzweifelt oder schattmatt gesetzt. Es ist alles so lückenhaft, so unvollständig, so schwer verständlich für mich, da ich offenbar in Bewusstseinszuständen war und geschrieben habe, die ich heute nicht nachvollziehen kann (oder will). Am 18. Mai hatte ich notiert, fehlende Brocken des großen Steins gefunden zu haben. Warum habe ich mich so lange nicht mehr darum gekümmert? Dann Reisen &#8230; in die Hauptstadt &#8230; in Christians damaliges Exil jenseits des Kanals &#8230; auf unsere Insel. Und immer wieder meine Rückkehr in die Pelman-Klinik, die es damals noch gab. Und immer wieder der Sibyllenwald, die Villa Scholl und unverhoffte Begegnungen mit Adrian und Bruno. Und dann Walther, mein einziger Vertrauter für sehr lange Zeit. Am 4. Juni die ersten Spuren von Ian, ohne dass ich ahnte, um wen es sich da handelt. Und die Seekarten, um die ich mich seither auch nicht gekümmert habe. Mein Fitness-Programm. Und dann am 15. Juni meine Entdeckung des Internets (das seither etwas von dem Reiz verloren hat, den es am Anfang für mich hatte) und die Website, die mir nun schon lange als elektronisches Tagebuch dient. Dieses damalige Erinnern &#8230; und heute das Lesen dieser Erinnerungen. Es kommt mir alles so sinnlos vor. Was ich mir alles vorgenommen hatte! Was alles seither geschehen ist! Heute ist wieder Walpurgisnacht &#8230; Gibt es für mich etwas zu feiern? Mit wem soll ich feiern? Alle werden wieder hier in unserer Stadt sein. Ich kenne das. Aber wo nur ist Christian? Seit einigen Wochen scheint er verschwunden. Ich suche und suche und finde ihn nicht. Heute ist Walpurgisnacht! Vielleicht sollte ich nur lesen (z.B. Goethes &#8220;Faust&#8221;?) &#8230; oder gehe ich doch besser tanzen?
</p>
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		<title>Ian 4</title>
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		<pubDate>Mon, 09 Apr 2007 17:40:20 +0000</pubDate>
		<dc:creator>vamp</dc:creator>
		
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		<description><![CDATA[Jetzt habe ich mich doch wieder mit dem technischen Kram befasst. Walther ist zu sehr mit anderen Dingen beschäftigt, als dass er sich um mein elektronisches Tagebuch kümmern könnte. Mir aber brannte es unter den Nägeln. Und nun freue ich mich, dass es wieder funktioniert, dass alles wieder so ist, wie es sein sollte. Obgleich [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Jetzt habe ich mich doch wieder mit dem technischen Kram befasst. Walther ist zu sehr mit anderen Dingen beschäftigt, als dass er sich um mein elektronisches Tagebuch kümmern könnte. Mir aber brannte es unter den Nägeln. Und nun freue ich mich, dass es wieder funktioniert, dass alles wieder so ist, wie es sein sollte. Obgleich ich weiterhin den Eindruck habe, dass die Welt aus den Fugen gerät, fühle ich mich in meiner derzeitigen Passivität wohl. Dabei bin ich nicht beschäftigungslos, auch nicht, seitdem der Jahrmarktsbetrieb, der mir über so lange Zeit eine Heimstatt bot, seine Zelte abgebrochen hat. Was war das für ein letzter Abend! Für die Schlussrunde, für die letzten drei Tage, hatten mich der &#8220;Direktor&#8221; und Walther (mit einem Augenzwinkern) überredet, die Schaubude mit den Weissagungen zu übernehmen. Ein sympathischer Hokuspokus, mit dem ich mir zwei Tage lang die Zeit und meine schlechten Gedanken vertrieb. Am dritten Tag schon kam es mir öde, monoton und routiniert vor, doch in der letzten Abendvorstellung stand plötzlich Christian vor mir, im alten Zauber gefangen, sich und mich in ein Spiel treibend, das wir nur kurz aufleben lassen konnten, bevor er, den ich in der Klinik vermutet hatte, entfliehen musste, weil offenbar die Polizei auf seinen Fersen war. Ich weiß zwar nicht, wo er jetzt ist, aber wahrscheinlich könnte ich es wissen, denn Walther hat mir angeboten, mich über Adrians Aktivitäten ins Licht zu setzen, wenn ich es denn wünsche, und ebenso Ian, der doch mehr von Bruno weiß, als er anfangs zu bekennen bereit war. Seltsam, aber ich will es nicht. Noch nicht, jetzt nicht! Ich muss mich um anderes kümmern. Ich richte mich gerade wieder wohnlich ein, da, wohin ich gehöre, an dem Ort, der mir gehört. Ian hilft mir dabei in den letzten Stunden, an denen er noch hier ist. Mein Sohn, an den ich mich noch gewöhnen muss, wird wieder zu Bruno fahren, diesem weisen Mann, der ihm den Namen &#8220;Ian&#8221; gab. Ich komme mir vor wie die Zentrale eines Agentenrings: Walther bei Adrian, Ian bei Bruno. Meine Agenten &#8230; oder Doppelagenten, denen ich nicht zu sehr vertrauen darf? Ich weiß, dass ich noch viele Krisen zu überwinden habe.
</p>
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		<title>Ian 3</title>
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		<pubDate>Wed, 04 Apr 2007 15:09:36 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Es gibt so viel zu tun. Nun bin ich seit einigen Tagen von der Insel zurück und wieder dort, wo man mich erwartet, auf mich gewartet hat. Aber ich bin noch nicht dazu gekommen, weiter zu notieren, was meine Tage auf unserer Insel erbracht haben. Ich brauche dieses Schreiben, nicht nur, um mich erinnern zu [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Es gibt so viel zu tun. Nun bin ich seit einigen Tagen von der Insel zurück und wieder dort, wo man mich erwartet, auf mich gewartet hat. Aber ich bin noch nicht dazu gekommen, weiter zu notieren, was meine Tage auf unserer Insel erbracht haben. Ich brauche dieses Schreiben, nicht nur, um mich erinnern zu können, sondern auch, um mir über Vieles Klarheit zu verschaffen. Von Walther habe ich erfahren, dass der Ort, der mein elektronisches Tagebuch beherbergt, gestört, nicht erreichbar ist, so dass, was ich jetzt notiere, dort erst später erscheinen wird. Ach, der arme Walther! Er ist so gestresst, überbeansprucht und durcheinander, dass ich mir ein bisschen Sorgen um ihn mache. Nun muss er sich auch noch um meine Tagebuchwebsite kümmern, wo er doch so viel hinter sich und noch so viel um die Ohren hat. Aber ich habe momentan einfach keine Lust, mich um diesen technischen Kram zu kümmern. Ich stehe ja auch selbst noch zu sehr unter der Wirkung der Eindrücke, die die Insel mir eingeprägt hat. Als ich damals bei den Geschwistern Hansen von der &#8220;Freischütz&#8221;-Aufführung erfuhr, führte mich diese schon bekannte Information zunächst in eine andere Richtung. Ich dachte an das an diesem Tag startende Liuba-Musikfestival, dachte an uns &#8220;Titanen&#8221; und an Ian und war plötzlich sicher, dass ich Christian und Ian bei diesem Festival mit &#8220;unserer&#8221; Musik finden würde. Ich zog los, ein wenig angeschlagen, weil ich meinen Kummer bei den Hansens schon zu ertränken begonnen hatte. Ich kam an, hörte Musik, sah Menschen, suchte und ließ mich treiben. Ich fand weder Ian noch Christian. Als es langsam dunkler wurde, hatte ich schon wieder an einer Bühne mit der Aufschrift &#8220;Schattenreich&#8221; zu resignieren begonnen. Da bemerkte ich diese seltsamen Typen, die ich Tage vorher mit dem &#8220;Freischütz&#8221;-Plakat ertappt hatte. Sie sammelten sich neben der Bühne und brachen dann auf, um das Festival zu verlassen. Ich folgte ihnen, beobachtete, wie sie sich außerhalb der Mördergrube in schwarze Kutten hüllten und mit anderen Trupps zusammenrotteten, um dann im Laufschritt Richtung Tinseborg zu traben. Was dort geschah, kann ich nicht wirklich beschreiben, denn es nahm mich zu sehr mit, verwirrte neue Eindrücke mit alten Bildern, die mich in die Zeit unserer Strategiespiele bei den &#8220;Titanen&#8221; zurückversetzten. Ich witterte Gefahr, Bedrohung für Leib und Leben. Dann sah ich Ian auf dem Plateau eines Stahlrohrturms, der aus der Mitte der Tinseborg hervorragte. Er, offenbar benebelt, willenlos. Um ihn herum Menschen, die irgendetwas mit ihm anstellten. Dann war da plötzlich Bruno neben Ian und begann zu reden, wie er früher immer geredet hatte, mythisch-mythologisches Zeug von Isis, Osiris, Seth und Horus zu einem Publikum aus weißen Gewändern, in das Bewegung kam, als die Rotte mit den schwarzen Kutten hineinstürmte. Als ich auf einmal Adrian erblickte, war das, als schösse in mich die Energie, die ich brauchte, um endlich zu handeln, einzugreifen, zu verhindern. Kurz nach Adrian, der sich zu Ian und Bruno gesellt und laut aus dem &#8220;Sonnenhymnus&#8221; zu deklamieren begonnen hatte, erklomm ich ebenfalls den Gipfel des Stahlrohrturms, wo ich die drei eigentlich stumm, aber doch irgendwie hitzig diskutierend vorfand, als wären sie Generäle in einer Gefechtspause. Mit mir war plötzlich auch Walther zugegen, und im nächsten Augenblick nahm ein Chaos seinen Lauf, wie ich es noch nicht erlebt hatte und das mir wie die Ankündigung böser Zeiten vorkam. Ich weiß nicht, welche seltsamen Allianzen, welche Vereinbarungen es gibt, die den Umgang der Spieler in diesem Spiel, das ich immer noch nicht verstehe, regeln. In dieser Nacht drohte ich wieder in meinem Schattenreich zu versinken. Erst Tage später kam ich zu mir, gönnte mir Tage der Erholung im Sonnenschein, Tage des Grübelns und Sinnens, wollte ungestört bleiben, lief davon, wenn sich mir jemand näherte, ließ nur Ian immer wieder die Chance, zu erklären und zu berichten, obwohl er eigentlich nichts zu erklären und zu berichten hatte. Wehmütig nahm ich vor ein paar Tagen mal wieder Abschied von unserer Insel, um später festzustellen, wie gut mir die hier vor Ort von Walther und meinem &#8220;Direktor&#8221; verordnete Therapie tut.
</p>
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		<title>Ian 2</title>
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		<pubDate>Sat, 31 Mar 2007 19:44:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>vamp</dc:creator>
		
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		<description><![CDATA[Es ist so herrlich hier auf unserer geliebten Insel. Die Sonne scheint, und wenn man ein wenig windgeschützt sitzt, kann man in ihr vergehen, als wäre es schon Sommer. Ja, Frühling oder Sommer, ich weiß auch nicht, warum sich mir die Jahreszeiten aufdrängen, wenn ich versuche, den Lebensabschnitt, in dem ich mich jetzt befinde, zu [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Es ist so herrlich hier auf unserer geliebten Insel. Die Sonne scheint, und wenn man ein wenig windgeschützt sitzt, kann man in ihr vergehen, als wäre es schon Sommer. Ja, Frühling oder Sommer, ich weiß auch nicht, warum sich mir die Jahreszeiten aufdrängen, wenn ich versuche, den Lebensabschnitt, in dem ich mich jetzt befinde, zu verorten. Dass ich es überhaupt versuche, liegt natürlich an Ian, meinem Sohn, der recht resolut die Sache angeht, nachdem er erfahren hat, was Sache ist. Ich fühle mich ein wenig zur Seite gedrängt, aber wir werden Seite an Seite agieren. Schon an diesem Wochenende werde ich die Insel wieder verlassen müssen, denn mein &#8220;Direktor&#8221; und Walther verlangen nach mir. Aber bis dahin habe ich noch ein wenig Zeit, mir über das klar zu werden, was hier auf der Insel in den letzten Tagen und Wochen vorgefallen ist. Auf dem Kutter, der einem Sohn des alten Hansen gehört und der so passend &#8220;Medusa&#8221; heißt, traf ich im Kielwasser dieser seltsamen Gestalten ein, die die Insel verlassen hatten, um dann doch mit der &#8220;Medusa&#8221; wieder zu ihr zurückzukehren. Was sollte das? Geleitschutz für einen, der auf die Insel wollte? Um wen ging es? Um Christian? Oder um Ian, den ich im Bauch der &#8220;Medusa&#8221; plötzlich als meinen Sohn erkannte? Es war ein &#8220;epiphanischer&#8221; Moment: Neben der Luke, durch die Christian hereingestolpert kam, stand Ian, so dass sie für einen Augenblick nebeneinander standen, ein Gesicht neben dem anderen, ein doppeltes Vexierbild! Ich dachte, Christian und Adrian, dann Adrian und Adrian, dann Adrian und Christian, dann Christian und Christian. Wie ähnlich sie sich alle sehen! Warum war mir das bei Ian nicht aufgefallen, den ich die vielen Tage bzw. Nächte vorher im orgiastischen Getümmel immer wieder gesehen hatte? Ich starrte die beiden an, den einen, den anderen, betäubt, unfähig, mich zu bewegen, bis Ian neben mir stand und mir die Worte ins Ohr flüsterte, die ich nie vergessen werde: &#8220;Ich bin Ian, und Du bist meine Mutter, stimmt’s?&#8221; In welcher Sprache sprach er eigentlich zu mir? Dann wies er auf Christian und stellte diese Frage, die ich ihm nicht beantworten konnte: &#8220;Und der da, ist das mein Vater, oder ist es dieser andere?&#8221; Welcher andere? Was wusste er? Ich erinnere mich an diese vermaledeite Walpurgisnacht vor ungezählten Jahren, diese Nacht der &#8220;Titanen&#8221;, diesen Tanz der Hexen, an Christian und Adrian, an dieses Spiel der plötzlich freigewordenen Kräfte, dem auch Bruno nicht mehr Einhalt gebieten konnte. Ach, Bruno, der damals nur noch zusehen konnte und der es später übernommen hatte, sich um Ian zu kümmern und aus ihm einen neuen &#8220;Titanen&#8221; zu machen. Im Bauch der &#8220;Medusa&#8221; schien Ian eigentlich keine weiteren Fragen zu haben. Flüsternd berichtete er mir alles, was er zu wissen schien. Es war weniger ein Bericht als eine Erzählung, die keinen Anfang hatte, aber schön dahinfloss, und die zu keinem Ende geführt werden musste, weil Ians Flüstern schließlich vom Wüten eines Sturms überlagert wurde, der die &#8220;Medusa&#8221; durchschüttelte, als wolle er ein deutliches Ende des Winters markieren, und der unsere Aufmerksamkeit auf Christian lenkte, der dalag, als sei er gerade auf die Welt gespuckt worden, und der unverständliches Zeug vor sich hin brabbelte. Es war schrecklich! Ein Schrecknis, das sich darin fortsetzte, dass mir beide, Christian und Ian, in der Sturmnacht fürs erste verlorengingen. Am nächsten Morgen versuchte ich es bei Bruno und sonst wo, einen der beiden zu finden. Als ich es schon aufgegeben hatte und bei den Geschwistern Hansen inmitten von Kaffee und Kuchen saß, erfuhr ich schließlich, was ich eigentlich schon wusste, dass nämlich eine Aufführung des &#8220;Freischütz&#8221; in der Tinseborg anstand. Dieses Stichwort lässt mich für heute enden.
</p>
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